„Gott liebt Dich umso mehr, je erfolgreicher Du bist“: Wo sich Donald Trump und sein Chefstratege Stephen Bannon uneinig sind. Trumps Sozialisation und sein Interview in Breitbart News Daily Show am 02. Nov. 2015

Am 02. November 2015 gab es in der Breitbart News Daily Show („Sprachrohr der alt-right Bewegung“) ein aufschlussreiches Radiointerview zwischen Donald Trump und Stephen Bannon: https://soundcloud.com/breitbart/breitbart-news-daily-donald-trump-november-2-2015

In diesem Radiointerview zeichnet sich ein gewisser Wertekonflikt zwischen den beiden ab, wobei es darum geht, welche Menschen eigentlich als „gut“ für die USA eingestuft werden. Wirtschaftlicher Erfolg versus Ethnonationalismus?

Die Washington Post hat darüber berichtet:

During their conversations, there were some moments on-air when Trump and Bannon disagreed. Though not many.

Last November, for instance, Trump said he was concerned that foreign students attending Ivy League schools have to return home because of U.S. immigration laws.

“We have to be careful of that, Steve. You know, we have to keep our talented people in this country,” Trump said. He paused. Bannon said, “Um.”

“I think you agree with that,” Trump said. “Do you agree with that?”

Bannon was hesitant.

“When two-thirds or three-quarters of the CEOs in Silicon Valley are from South Asia or from Asia, I think .?.?. ” Bannon said, not finishing the sentence. “A country is more than an economy. We’re a civic society.”

Trump said he would build a border wall, but still wanted to let highly educated foreign students who graduate from U.S. colleges to be able to stay in the country.

“I still want people to come in,” Trump said. “But I want them to go through the process.”

Bannon said: “You got to remember, we’re Breitbart. We’re the know-nothing vulgarians. So we’ve always got to be to the right of you on this.”

“Oh, that’s okay,” Trump said.

https://www.washingtonpost.com/politics/how-bannon-flattered-and-coaxed-trump-on-policies-key-to-the-alt-right/2016/11/15/53c66362-ab69-11e6-a31b-4b6397e625d0_story.html?utm_term=.dde45b948b23

Der Kommentar von Verge zu diesem Sachverhalt scheint mir nicht ganz fehlgeleitet und in diesem Sinne lesenswert zu sein:

http://www.theverge.com/2016/11/16/13653490/steve-bannon-trump-presidency-chief-strategist-breitbart-tech-visa

Ich denke, dass diese Differenz zwischen Stephen Bannon und Donald Trump ganz wesentlich mit Trumps Sozialisation zu tun hat, die man sich eigentlich immer wieder in Erinnerung rufen sollte, wenn man über seine Präsidentschaft und seinen Politikstil nachdenkt: Die in diesen Tagen vielzitierten Trump-Biografen Michael D’Antonio (Pulitzer-Preisträger) und Gwenda Blair berichten in verschiedenen Kanälen ausführlich über die Erziehungsmethoden und den Charakter des strengen Vaters von Donald Trump und dessen prägenden Einfluss auf seinen Sohn.

Donald Trumps Vater, der Multimillionär Frederick Christ Trump Jr., soll von der genetischen Überlegenheit seiner Abstammung/Familie überzeugt gewesen sein. Diese Überzeugung soll auch die Grundlage der Erziehung von Donald Trump gewesen sein. Sein Sohn, der zukünftige US-Präsident, sollte in allem erfolgreich und der Beste sein, in dieser Welt gab und gibt es nur Gewinner und Verlierer, sonst nichts. So musste Donald Trump sich stets beweisen, um auch nur die geringste Anerkennung von seinem Vater zu erhalten. Und Norman Vincent Peale, der prominente New Yorker Pfarrer und Bestsellerautor von „the power of positive thinking“, soll unterstützend ins gleiche Horn geblasen und Donald Trump (der zu Peale in die Kirche ging) schon früh eingetrichtert haben: „Gott liebt Dich umso mehr, je erfolgreicher Du bist.“

Today he [Norman Vincent Peale] is remembered for preaching optimism and personal fulfillment, asserting that it was possible to achieve spiritual and material success in life. He himself became a wealthy man who lived on Fifth Avenue opposite the Metropolitan Museum of Art.

Diese Indoktrinierungen zeigten bereits bei dem jungen Donald Trump deutliche Wirkungen: „He would do anything to win.“ Als Schüler der New York Military Academy [NYMA] stieg er in den Rang des Klassenkapitäns auf und war schließlich unter den „top ranked“-Schülern der gesamtem Militärakademie; in diesem Sinne übernahm er bereits während seiner Schulzeit die Führung. Überdies war er ein talentierter, herausragender Sportler und Teammitglied etwa in Baseball, Fußball und American Football, wobei er infolge seiner sportlichen Leistungen in die NYMA’s Hall of Fame aufgenommen wurde und sogar Talentscouts ein Auge auf ihn geworfen haben. Zusätzlich erhielt er die Auszeichnungen Proficient Cadet und Honor Cadet sowie die Neatness and Order Medaille. Scheinbar mochten ihn alle, so wird er im Jahrbuch der Militärakademie auch als „ladies man“ bezeichnet. Es sollte noch einige Jahrzehnte dauern, bis er letztlich alle hochqualifizierten Konkurrenten erfolgreich zur Seite schubste und zum 45. Präsidenten der USA gewählt wurde. Kurzum: Donald Trump tut alles, um zu „gewinnen“. In diesem Sinne ist und bleibt er ein obernarzisstischer Überzeugungstäter mit quasi-utilitaristischem Kalkül.

I don’t want to change too much. I’ve had a wonderful life and a wonderful success. I want to make this a great success for the American people, and for the people, they put me into this position, so I don’t want to change too much. I could be the most presidential person ever.

– Donald Trump, Interview mit ABC News am 25. Januar 2017, eigene Transkription

Ein ehemaliger, schwarzer Mitarbeiter berichtete (Quelle: Doku zu Trump auf Phoenix), dass er mal für ein Lob in Trumps Büro zitiert wurde. Als er das Büro betrat, sah er auf Trumps Schreibtisch große Zeitschriften- und Zeitungsstapel mit lauter kleinen Notizzetteln zwischen den Seiten liegen. Er war zunächst ganz beeindruckt und dachte, dass Trump wohl vielseitig interessiert sei und die Weltpolitik aufmerksam verfolge. Als er jedoch näher kam, sah er, dass es ausschließlich markierte Artikel zu Trump selbst waren. Donald Trump bezahl bis heute eine Pressefirma, die ihm jeden Tag einen Pressespiegel mit US-Berichten zu seiner Person vorlegt, die er ebenso täglich liest.

Wer über Donald Trumps Politikstil und Präsidentschaft spricht, sollte diese biografischen Umstände dabei berücksichtigen.

Ein wenig mehr aus dem Fenster lehnend könnte man auch zuspitzen (und das möchte ich an dieser Stelle lediglich als gewagte Vermutung wissen lassen): Heilig sind ihm allein der „wirtschaftliche Erfolg“ und das „Gewinnen“, fast alles andere ist instrumentell untergeordnet. Die „Siege“ und außergewöhnlichen Taten nähren sein dominantes und erfolgshungriges Riesenego, das auf seine Art und Weise nach Anerkennung sucht und öffentliche Demütigungen hasst. Wer sich ihm dabei in den Weg stellt und seine Autorität in Frage stellt, wird niedergetrampelt.

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