Und Du dachtest, schon allein die Einkommensverteilung sei problematisch? Consider this: der World Wealth Report 2016. Oder: Wenn man die andere Klasse nur noch in der Manier eines Zoobesuchs zu Gesicht bekommt.

In einem Interview präsentierte eine Wissenschaftlerin einige ihrer Studienergebnisse, denen zufolge der Durchschnittsbürger eigentlich gar keine Vorstellung davon hat, WIE reich die „global rich“ de facto sind; ihre Umfragen ergeben jedenfalls, dass die tatsächliche Entwicklung und Konzentration des Privatvermögens sehr reicher Personen die Schätzungen befragter Studienteilnehmer um ein Vielfaches übersteigen (ich weiß nicht mehr, in welcher Zeitung das Interview veröffentlicht wurde, aber ich erinnere mich an die inhaltlichen Eckpunkte).

Die exklusive Gruppe der „global rich“ (HNWIs, UNHWIs inkl. Superreiche und Milliardäre) zeichnet sich materiell dadurch aus, dass sie im Gegensatz zur großen Mehrheit der Bevölkerung nicht auf Erwerbseinkommen angewiesen ist, um materiell abgesichert zu sein, wobei solch ein Arbeitseinkommen auch ziemlich irrelevant ist für deren Reichtumsentwicklung, die weit entfernt von dem ist, was der lohnarbeitende Durchschnittsbürger auch nur ansatzweise erreichen kann.

HNWIs“ (High-Net-Worth-Individuals) = Personen, die mindestens über 1 Million US-Dollar Netto-Finanzvermögen (Finanzvermögen exklusive Sammlerstücke, Gebrauchsgegenstände, langlebige Konsumgüter und als Hauptwohnsitz dienende Immobilien) verfügen.

UHNWIs“ (Ultra-High-Net-Worth-Individuals) = Netto-Finanzvermögen von mindestens 30 Millionen US-Dollar.

Gemäß einer in der Reichtumsforschung genutzten „Reichtumspyramide“ könnte man weiter differenzieren nach:

superreich“ = mindestens 300 Millionen US-Dollar verfügbares Kapitalvermögen.

Milliardäre“ = mindestens 1 Milliarde US-Dollar verfügbares Kapitalvermögen.

Mit diesem finanziellen Reichtum – d.h. dem verfügbaren bzw. anlagefähigen Geldvermögen – ist „eine weitgehende Unabhängigkeit vom Erwerbseinkommen gewährleistet.“ Zudem ist wohl ab dem Status „superreich“ ein kompletter Vermögensverlust praktisch ausgeschlossen, HNWIs hingegen können durchaus noch die Seite wechseln und nach „unten“ in die arbeitende Masse rutschen, wie es etwa im Zuge der großen Finanzkrise geschehen ist.

Trotz Finanzkrise, die enorme Vermögenseinbußen zur Folge hatte, hat sich das Vermögen der Reichen von 1996-2015 vervierfacht und stieg zuletzt auf 58,7 Billionen US-Dollar (1 Billion = 1000 x 1 Milliarde). Tendenz deutlich steigend.

In meinem Bekannten- und Verwandtenkreis kennt fast jeder einen Kleinmillionär. Aber UHNWIs?

Die noch exklusivere Personengruppe ab dem Status „UHNWI“ (d.h. ab einem verfügbaren Netto-Finanzvermögen von mind. 30 Mio. USD) umfasst gerade mal 0,9 Prozent der gesamten Gruppe der „global rich“, vereinigt jedoch zugleich 34,1% des gesamten Privatvermögens in Höhe von 58,7 Billionen US-Dollar.

Schätzungen zufolge könnte sich diese Vermögenssumme der HNWIs bis 2025 (d.h. in den kommenden 8 Jahren) verdoppeln und die Marke von 100 Billionen US-Dollar überschreiten. Dabei ist der Vermögensanstieg und die Vermögenskonzentration bei den UHNWIs der stärkste Treiber des globalen Vermögenszuwaches der „global rich“.

Zum Vergleich: Im Jahr 2015 betrug das gesamte BIP Deutschlands (viertgrößte Volkswirtschaft der Erde) etwa 3 Billionen Euro.

Und Ihr dachtet, bereits die Einkommensverteilung sei ein Problemfall sozialer Gerechtigkeit? Die absurd ungleiche Vermögensverteilung trumpft alles.

Insbesondere die anstehenden Erbschaften werden diesen Sachverhalt verschärfen, die Konzentration sowie ungleiche Verteilung von Vermögen wird zukünftig generationenübergreifend noch dramatischere Ausmaße annehmen und einen völlig irrwitzigen Keil zwischen das Leben der Mehrheit der Kinder auf der einen Seite und das Leben der in Reichtum geborenen Kinder (und deren Kinder wiederum etc pp.) auf der anderen Seite schlagen.

Wohlgemerkt, solch eine Kindertrennung ist ja bereits gegeben, nur die Kluft wird wachsen. Vielleicht wird sie in einer nicht allzu fernen Zukunft dermaßen gewachsen sein, dass man die andere Spezies vielleicht nur noch im Fernsehen, bei Sportveranstaltungen oder bei kostspieligen Abenteuerausflügen in andere Stadtteile in der Manier eines Zoobesuchs zu Gesicht bekommt. Letzteres ist ja in manchen Ghettos der USA inzwischen Realität, entsprechende Tickets für „dangerous“ Bustouren können heute schon gekauft werden und sind Teil von inneramerikanischen Reiseangeboten. „Haha, Schatz, schau mal, der guckt uns an“.

(eine maßgebliche und vielzitierte Quelle ist der jährliche World Wealth Report, der früher in Kooperation mit der Investmentbank Merrill Lynch herausgegeben wurde: https://www.worldwealthreport.com/)

(weitere Quelle: „Reichtum und Vermögen. Zur gesellschaftlichen Bedeutung der Reichtums- und Vermögensforschung. VS Verlag, 2009.“)

Die meisten UHNWIs leben übrigens in den USA. Wie gut, dass die wichtigsten Posten in Trumps Kabinett mit Milliardären und Exponaten der Wall-Street-Elite besetzt sind. So kann man sich den mittelbaren Weg des rechtlich abgesicherten Lobbyismus auch sparen.

Und selbstverständlich dient das alles dem „Allgemeinwohl“.

Advertisements

Ein Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s