Fat Cat Wednesday

Der FTSE100 ist der wichtigste britische Aktienindex und umfasst die 100 größten und umsatzstärksten Unternehmen an der London Stock Exchange.

Der durchschnittliche CEO eines Unternehmens der FTSE100 verdient 1008 Britische Pfund (ca. 1169 Euro) pro Stunde.

Der „Fat Cat Wednesday“ ist auf der regnerischen Insel ein mehr oder weniger populärer Ausdruck und bezieht sich auf den Sachverhalt, dass der besagte durchschnittliche CEO bereits am ersten Mittwoch des neuen Jahres bzw. in 2-3 Tagen mehr verdient als der durchschnittliche Arbeitnehmer in einem ganzen Jahr.

http://highpaycentre.org/blog/fat-cat-wednesday-2017

Und wie sieht es bei uns in Deutschland aus?

Um die Jahrtausendwende verdienten Vorstandsmitglieder eines DAX-Unternehmens im Schnitt das 14-fache des qualifizierten Normalbeschäftigten in einem DAX-Unternehmen. 2014 war es bereits das 57-fache (beim Spitzenreiter VW das 141-fache), Tendenz steigend. Und DAX-Unternehmen sind Unternehmen, die vergleichsweise sehr gute Löhne zahlen.

2014 war jeder vierte Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor beschäftigt, d.h. Verdienst = maximal 9,15 Euro/Stunde. Davon: 11% maximal 7 Euro/Std., 5% maximal 5 Euro/Std.

Gemäß OECD-Statistiken gibt es in ganz Europa nur 2 Länder, in denen die Kluft zwischen hohen und niedrigen Einkommen noch schneller auseinandergegangen ist als in Deutschland: Bulgarien und Rumänien.

Definiert man die mittleren Einkommensschichten über den Verdienst in Höhe von 70-130% des Durchschnittseinkommens (statistisch korrekter „Medianeinkommen“), so ist deren Anteil in der Gesellschaft binnen 10 Jahren (2000-2010) von ca. 63% auf ca. 58% gesunken, d.h. in Deutschland sind in diesem kurzen Zeitraum etwa 4,5 Millionen Menschen aus der Einkommensmittelschicht verschwunden, das sind pro Jahr etwa 450.000 Menschen. Kurzum: Jedes Jahr verschwindet in Deutschland eine Großstadt aus der einkommensbasierten Mittelschicht. Nun die Pointe: 10% davon sind nach „oben“ gewandert, die restlichen 90% nach „unten“. Das bedeutet: Binnen weniger Jahre konnten wir in Deutschland einen drastischen Zuwachs derjenigen beobachten, die nur 50-70% bzw. maximal 50% des Durchschnittseinkommens verdienen. Die untersten 4/10 haben überdies Reallohnsenkungen von 13-22% erfahren, wobei die Realeinkommen des untersten Zehntel der Beschäftigten in diesem Zeitraum um fast 1/4 gefallen sind. Dies schlägt sich natürlich wiederum in der Gesundheit und Lebenserwartung nieder, ebenso im Wohnumfeld und in der Ernährung, aber auch in den Bildungschancen.

Soviel zum Slogan „Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer“. Gerhard Schröder & Co. sei gedankt. Statt vom „Fahrstuhleffekt“ spricht man ja heute auch vom „Paternostereffekt“ mit Blick auf das Versprechen sozialer Mobilität.

Und bei alledem geht es allein um die Einkommensverteilung, d.h. noch nicht mal um die Vermögensverteilung, bei der offenbar noch brisantere Entwicklungen zu verzeichnen sind. Dazu aber mehr an anderer Stelle.

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gehaelter-dax-vorstaende-verdienen-bis-zu-mal-so-viel-wie-ihre-angestellten-1.3192967

 

 

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