Grüße an meine Berliner Heimat: Andrej Holm – ein Stadtsoziologe, der 2007 inhaftiert wurde und nun Staatssekretär unter der linken Senatorin für Bauen und Stadtentwicklung sein wird.

Da meine bessere Hälfte heute Morgen in den Urlaub geflogen ist, erlaube ich mir ein bisschen Ablenkung: Wider die Gentrifizierung und „Mietexplosion“ in Berlin?

Andrej Holm, der als promovierter Stadtsoziologe an der Berliner Humboldt-Universität arbeitet und zu Themen wie Wohnungspolitik forscht, wurde am 31.07.2007 durch lautes Hämmern an seiner Wohnungstür geweckt. Er stand auf, öffnete die Tür und wurde von hereinstürmenden bewaffneten Polizeikräften zu Boden gedrückt und anschließend inhaftiert. Auch das Zimmer der Kinder wurde sichergestellt. Wie kam es dazu, was war passiert?

2007 wurde das BKA infolge einer „Google-Recherche“ auf Andrej Holm aufmerksam. Diese kriminalpolizeiliche „Recherche“ ergab, dass er bei seinen wissenschaftlichen Veröffentlichungen die Begriffe „gentrification“ und „Prekarisierung“ verwendet – so, wie eben auch die linksradikale „militante gruppe“, gegen die seit 2001 polizeilich ermittelt wurde. Diese „Recherche“, die zu der genannten „Verbindung“ zwischen Andrej Holm und der „militanten gruppe“ führte (beide Seiten verwenden die gleichen Begriffe), reichte offenbar aus, um ihn damals ohne Anklage für einige Wochen ins Gefängnis zu stecken und seiner Freiheit zu berauben. Dies sorgte international für Aufregung, wobei eine Gruppe von Wissenschaftler (u.a. der prominente Soziologe Richard Sennett) seine Freilassung forderte. Dabei sahen sie sich genötigt die Ermittlungsbehörden darüber aufzuklären, dass „Gentrifizierung“ und „Prekarisierung“ geläufige Begriffe in der Soziologie sind. Andrej Holm wurde wieder freigelassen.

Mit Blick auf diesen grotesken „Recherche“- und Inhaftierungsvorfall sollte zudem darauf hingewiesen werden, dass unter diesen Bedingungen ein signifikanter Teil der Universitätsangestellten in den Gesellschaftswissenschaften und auch der Sozialphilosophie inhaftiert werden müsste. Wie gut, dass entsprechende Publikationen kaum außerhalb der „scientific community“ gelesen, geschweige denn verstanden werden?

Wie dem auch sei, für die Linken ist es ein Profilierungsglücksfall, dass sie ausgerechnet in diesen Zeiten das für Berlin wichtige Ressort für Stadtentwicklung übernommen haben. Nur die CDU wähnt schon den Untergang des freiheitlich-demokratischen Gemeinwesens angesichts der anstehenden Ernennung von Andrej Holm zum Staatssekretär – sie erhebt seine wenige Monate andauernde „Stasi-Vergangenheit“ (1989 war der Typ gerade mal 18 Jahre alt) zum Grund der Aufforderung, dass die neue Regierungskoalition auf seine Ernennung verzichten solle.

Ich bin jedenfalls gespannt, was Andrej Holm nun als Staatssekretär für den Bereich „Wohnen“ in Berlin erreichen wird.

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