Die Weihnachtstrilogie (23/12): Milton Friedman, Verteilungspolitik und die Kraft der Regie.

 

Der sehr einflussreiche Wirtschaftsnobelpreisträger und geistige Co-Vater des Neoliberalismus Milton Friedman lebte und wirkte noch bis 2006. Es gibt eine kurzweilige und interessante Dokumentation von Jamie Johnson (zukünftiger Erbe des Pharmazie- und Konsumgüterherstellers „Johnson & Johnson“), in der er auch Milton Friedman in einem recht schäbigen Büro interviewt.

Jamie Johnson studierte Regie und hat zum Missfallen seiner sehr reichen Familie und anderer Vertreter der gefilmten „super rich“ nicht nur eine sozialliberale Einstellung, sondern wollte auch noch eine Dokumentation über sein reiches Umfeld veröffentlichen – über diese Kaste gibt es vergleichsweise wenig Daten, da es eine geschlossene und abgekapselte Gesellschaft ist, die aus rationalem Eigeninteresse wenig von sich preisgeben möchte. Diese vorhandenen bzw. nicht-vorhandenen Datenlagen beeinflussen übrigens auch entsprechende Studien, sodass in den Ländern wesentlich mehr über Armut als über Reichtum geschrieben wird (vgl. Armuts- und Reichtumsberichte der Bundesregierung).

Hier geht es zu seiner kurzweiligen und interessanten Doku, die als kleiner Einstieg offenbar auch in manchen Uniseminaren verwendet wird und in der Jamie Johnson u.a. den gealterten, aber immer noch scharfzüngigen und angriffslustigen Milton Friedman interviewt: https://www.youtube.com/watch?v=HmlX3fLQrEc

Milton Friedman hört man an folgenden Stellen im Interview: 24:14, 55:38, 1:05:06

Seine statements sprechen für sich und berühren letztlich den heißen Kern wirtschaftspolitischer Debatten. Die Frage der Redistribution gesellschaftlich produzierten Reichtums qua Steuern, Vermögensabgaben und Erbschaftsregelungen etc. (sozialdemokratische Justierung) oder gar die Frage der breitflächigen pre-distribution des Privateigentums an Produktionsmitteln (John Rawls) erhitzt die Gemüter der meisten Gelehrten und Politiker sehr viel mehr als ein Lastwagen vollgestopft mit Menschen in Not, die elendig ersticken. Das ist doch denkwürdig und signalisiert die gesellschaftspolitische Brisanz von Verteilungsdiskussionen.

Zugleich wird in den Leitmedien kaum noch über Verteilungsgerechtigkeit und angelehnte Themen ernsthaft diskutiert. Selbst Wissenschaftler, die zu diesem Thema empirisch oder normativ forschen, gelten heute gemeinhin als Ewiggestrige, die man bestenfalls mitleidig belächelt – zumindest außerhalb des erlauchten Kreises der akademischen politischen Philosophie/Theorie. Schon allein die Verwendung des Begriffs „Privateigentum an Produktionsmitteln“ sorgt in öffentlichen Diskussionsrunden (bspw. Butterwegge versus Brüderle/CDU oder Hüther/IW) zunächst für eine gewisse Belustigung gepaart mit süffisantem Lächeln, gefolgt von hitziger Empörung. Ein klares 1:0 fürs Kapital. Ein Rückkampf ist sicher. Irgendwann.

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