Das Silicon Valley und der „Trump“ in uns – wer an Armut erstickt, ist selber schuld.

Aus einem bestimmten Blickwinkel sind Trump und einige seiner voraussichtlichen Minister nicht einfach nur sehr reiche Milliardäre, sondern ggf. auch ein neuer Schwung für eine produktivkraftsteigernde Entwicklung, die in den 1970er begann und gemeinhin mit „Deregulierung, Entstaatlichung, Privatisierung, Flexibilisierung“ charakterisiert wird. Die ideologischen Grundlagen des sogenannten „Neoliberalismus“ reichen zeitlich weiter zurück als die 70er und wurzeln in der Trias „The Good Society, Colloque Walter Lippmann, Mont Pèlerin Society“ des frühen 20. Jahrhunderts. Dazu aber mehr an einer anderen Stelle.

Was hat das nun mit Trump zu tun?

Werfen wir doch einen pointierten Blick auf Trumps illustres Kabinett, in dem Schlüsselposten u.a. mit Exponaten der Wall-Street-Elite besetzt sind, die linken Gewerkschaftern den Schweiß auf die Stirn treiben:

– Rex Wayne Tillerson: Außenminister (Präsident/CEO des Erdölkonzerns Exxon Mobil);

– Steven Mnuchin: Finanzminister (Ex-Investmentbanker bei Goldman Sachs und Gründer/Manager mehrerer Hedge Funds);

– Wilbur Louis Ross Jr.: Handelsminister (ehem. Direktor bei Rothschild Inc und Präsident/CEO des Private Equity „WL Ross & Co. LLC“);

– Todd Ricketts: stellv. Wirtschaftsminister (unternehmerischer Milliardär und Eigentümer der Chicago Cubs und CEO eines Super PAC);

– Gary Cohn: Direktor des National Economic Council im Weißen Haus und damit einer der wichtigsten Wirtschaftsberater und -entscheider unter Trump (Präsident und COO von Goldman Sachs);

– Andrew Puzder: Arbeitsminister (CEO der Restaurantkette CKE);

– Tom Price: Gesundheitsminister (prominenter Gegner von „Obamacare“ und Befürworter der Eindämmung gesetzlicher Krankenversicherung);

– Betsy DeVos: Bildungsministerin (milliardenschwere Unternehmerin und prominente Bildungslobbyistin und Befürworterin von Privatschulen und Gegnerin staatlicher Vorschriften auf diesem Gebiet);

– Rick Perry: Energieminister (Verwaltungsrat beim Energiekonzern „Energy Transfer Partners“ und jemand, der das Energieministerium eigentlich abschaffen wollte, zudem Befürworter der Ölindustrie und Leugner des Klimawandels).

Dies verweist auf folgendes: Auch wenn man zunächst Trumps handelspolitisches Veto gegen bestehende oder anvisierte Freihandelsabkommen wie TTIP ausblendet (sie seien „zu komplex, zu bürokratisch“), so sind Trumps Personalie und einige seiner Kabinettsnominierungen, die allesamt Befürworter des Abbaus staatlicher Regulierungen sind, doch ein jauchzender Glücksfall für marktliberale Dogmatiker, die schon lange die gesellschaftliche Agenda dominieren und den Prozess der Externalisierung gesellschaftlichen bzw. unternehmerischen Risikos aufs/ins Individuum („Eigenverantwortung!“) händeklatschend begrüßen.

Und genau dies hat die kommende US-Regierung doch wesentlich gemeinsam mit der Avantgarde der kapitalistischen Entwicklung, dem „digitalen Kapitalismus“ des „Weltverbesserungsunternehmertums“ im Silicon Valley, das Träger der bislang avanciertesten Form kapitalistischer Ideologie ist: der dogmatische Glaube an die eigenverantwortliche und unternehmerische Kraft des radikalen Marktindividuums. Dabei ist „jeder seines Glückes Schmied“ – wer an Armut erstickt, ist selber schuld. Achtsamkeit, baby, Achtsamkeit – empfiehlt folglich der Überbau.

„Seit Wissenschaftler Veränderungen im Gehirn bereits nach acht Wochen Meditationstraining nachgewiesen haben, gilt Achtsamkeit im Silicon Valley als der neue Brennstoff für gesteigerte Produktivität und Kreativität.“ (http://www.deutschlandfunk.de/achtsamkeit-2-0-wie-das…)

Produktivitätssteigerung muss sein. Dafür sorgt auch unser „Geist“.

Hand aufs Herz, in diesem Licht ist „Trump“ im Grunde genommen eine Chiffre für die zur Norm gewordene Haltung, den eigenen mentalen und physiologischen Haushalt als (markt-)optimierendes Individualunternehmen zu begreifen und mit der Lohnarbeit zu verschmelzen: „Mein Businessplan bin ich!“. Wobei dies natürlich als Idealtypus zu verstehen ist.

„The reason that 62 million Americans were prepared to entrust the presidency to a billionaire best known for playing a businessman on television is because they’ve been absorbing the tenets of market absolutism their whole lives. Trump may have campaigned as an outsider, but his appeal was radically mainstream. (…) Trump is like a lunatic doctor who, after a treatment has nearly killed his patient, decides to double the dose in the hopes of a better result.“

https://www.theguardian.com/…/donald-trump-silicon-valley-l…

Der Vorteil des Kalten Krieges waren die klaren Fronten. Heute jedoch ist Ideologie dermaßen internalisiert, dass sie so subtil wirkt, als wäre sie inexistent. Das nenne ich Effizienz.

Amen.

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